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Quina
von Paula Leßner, 10 Jahre
Wie jeden Tag holten mich meine Mama und meine kleine Schwester von der Schule ab. Aber dieses Mal saß noch jemand im Auto. Emi klärte mich sofort auf. Es war ein Junge, der Jonas hieß und zu meiner Schwester in die Kindergartengruppe ging. Mama fügte noch hinzu, dass von Jonas Mutter das Auto kaputt war und sie uns gebeten hatte, Jonas mitzubringen. Als wir bei Jonas zu Hause ankamen, hörte ich ein tiefes Bellen. Ein wenig später sah ich mit Staunen, was da gebellt hatte. Es war ein großer, schwarz-brauner Hund. Wir stiegen aus und Emilie wollte überhaupt nicht aus dem Auto. Erst nach einigen Überredungskünsten unserer Mama kam sie mit. Langsam gingen wir näher. Jonas sagte zu dem großen schwarz-braunen Etwas: „Aus, aus Blanka.“ Sofort hörte der Hund auf mit dem Bellen. Dann kam die Mutter von Jonas, bedankte sich bei Mama und bat uns auf die Terrasse. Dort plauderten die beiden Damen noch ein wenig, während Jonas, ich und später auch meine Schwester mit Blanka spielten. Dies war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen Blanka und mir. In Zukunft durfte ich, so oft ich wollte, Blanka besuchen. Dann kuschelte, spielte und schmuste ich die ganze Zeit mit Blanka. Immer und immer wieder bin ich zu ihr gefahren. Irgendwann sagte ich zu meinen Papa: „Papa, du ich war jetzt so oft bei Blanka und ich habe mir überlegt, dass ich auch eine Hund möchte.“ Erst stand Papa ganz regungslos da, aber dann fand er wieder seine Stimme zurück: „Äm, äm na, ja ich werde erst einmal mit Mama reden.“ Ein paar Tage später holte mich Mama wieder von der Schule ab. Mama war ganz still. Ich fragte sie, was los ist. Sie schwieg. Dann sagte sie ganz leise: „Weißt du, Blanka ist weg.“ Ich konnte es erst nicht glauben und dann schossen mir die Tränen in die Augen. Die ganze weitere Zeit im Auto waren wir beide still und jeder hing seinen Gedanken nach. Zu Hause angekommen, sagte ich zu Mama: „Ich habe mich entschieden, für einen Hund zu sparen.“ Als nächstes kam die große Frage: welche Rasse? Mama wollte einen Berner Sennenhund, das wusste ich, aber ich wollte unbedingt einen Hovawart wie Blanka. Nach vielen Diskussionen hat Mama nachgegeben, weil sie bei mir einfach keine Chance hat. Überhaupt keine !!! Außerdem hatte ich auch Emi und Papa auf meiner Seite. Im nächsten Schritt kam die Suche nach einem geeigneten Züchter. Wir haben uns dann für den Züchter von Blanka entschieden. Nach ein paar Wochen sind wir zum Züchter von Blanka gefahren. Der hat vier Hovawarthündinnen. Es sind zwei schwarze, eine schwarz-braune und eine blonde Hündin, die sehr gemütlich ist. Die beiden schwarzen Hunde waren ungestüm und wild, während die schwarz-braune Hündin unfreundlich zu Kindern ist. Als Welpe wurde sie von Kindern geärgert und mit Steinen beworfen, so dass sie noch heute, nach vielen Jahren, keine Kinder leiden kann. Papa und der Züchter haben eine Weile geredet, wie das bei Männern so ist und ganz besonders bei Papa. Einer der schwarzen Hunde heißt Hexe und soll im November Welpen bekommen. Nun kam eine endlose Zeit des Wartens. Jeder von uns, das heißt Mama, Papa Emi und ich zählten jeden Tag bis es so weit war, dass Hexe zum Ultraschall geht. Beim Ultraschall sieht man ob ein Hund, ähnlich wie bei einem Menschen, schwanger ist oder nicht und wie viele Welpen kommen werden. Als es soweit war, stellte sich heraus, dass Hexe gar keine Jungen in ihrem Bauch hatte. Es war die totale Enttäuschung. Niemand hatte das erwartet. Alles war für uns dunkel, ganz dunkel. Aber dann ging es erst einmal in die Winterferien zu Oma und Opa nach Leipzig. In Leipzig kommt alles unerwartet. Unsere Begeisterung für den Hovawart ist für Oma schlimm. Sie fängt an uns Gruselgeschichten über Hunde zu erzählen. Die schlimmste davon war die eines Unfalles mit einem Hund, der sein Frauchen gebissen hatte: „Wisst ihr, in der Nähe wohnte eine sehr hübsche Dame mit einem großen Hund. An der Frau war etwas ganz besonders schön. Es war ihr Gesicht. Sie hatte ein bezauberndes Gesicht. Eines Tages gab sie ihrem Hund zu fressen und in dem Moment als sie sich aufrichten wollte, ist der Hund an ihr hochgesprungen und hat ihr eine Seite des liebreizenden Gesichtes zerfetzt.“ Nun hörte Oma auf mit Erzählen und ging. Emi und ich bekamen Angst, sehr große Angst. Als wir wieder zu Hause, bei Mama und Papa, waren, haben wir natürlich alles von der Frau mit dem bezaubernden Gesicht und dem Hund erzählt. Mama und Papa runzelten die Stirn. Oma und Opa machen sich Sorgen und wollten, dass wir uns einen „sicheren“ Hund zulegen, zum Beispiel einen Golden Retriever. Diese Hunderasse ist wohl ausgesprochen lieb. Da sich meine Eltern aber über Hovawarts und deren Züchtung informiert hatten, wussten wir, dass auch diese sehr liebe Familienhunde sind. Außerdem bewachen sie das Haus und Hof, denn übersetzt aus dem Altdeutschen heißt Hovawart der Hofwächter und das war Mama sehr wichtig. Unser Papa ist öfters auf Dienstreise und dann hat sie in der Nacht immer Angst. Das Tolle ist: blonde Hovawarts sehen aus wie Golden Retriever. Das war die Lösung! Wenn wir uns einen blonden Hovawart zulegen und Oma und Opa sagen, dass es ein Golden Retriever ist, brauchen sie sich keine Sorgen mehr machen. Nun bleibt die Welt dunkel, aber die Suche nach einem neuen Züchter geht trotzdem weiter. Papa machte sich auf die Suche im Internet nach einer blonden Hündin. Leider ohne Erfolg !!! „Tut mir leid.“ waren die einzigen Worte, die über seine Lippen gekommen sind, als er aus dem Arbeitszimmer kam, in dem der Computer steht. Nach mehr als 14 Tagen hat Papa endlich eine kleine Hovawarthündin gefunden. SUPER !!! Jetzt war der Himmel wieder heller als hell und das beste war, sie ist die einzige Blonde von sieben Welpen. Die anderen Hundebabys sind schwarz-braun. Die kleine blonde Hündin wurde am 9. Februar 2007 geboren. An einem gemütlichen Samstagabend, wir saßen gerade beim Abendbrot, da klingelte das Telefon. Es war Frau Gepke „unsere“ Züchterin. Mama, Emi und ich hörten Papa nur immer wieder sagen: „ Nein, wir wollen eine blonde Hündin. Nein, wir wollen keine schwarz-braune Hündin.“ Bei jedem Wort zuckten wir mehr zusammen. Schließlich erzählte er uns, was für ein Unglück passiert war. Es war noch ein Bewerber aufgetaucht, der unseren Hund wollte. Es war ein Züchter, dem seine blonde Hündin gestorben war und die Zuchtwartin hatte ihm gesagt, dass bei unserem Züchter, Familie Gepke, wohl eine bildschöne blonde Hündin geboren wurde. Die Züchterin versprach, Papa in den nächsten Tagen anzurufen und uns ihre Entscheidung mitzuteilen. Aber als die Züchterin nach einer Woche sich noch immer nicht gemeldet hatte, sagte Papa endlich: „Jetzt rufe ich bei ihr an und frage, wie sie sich entschieden hat.“ Der Rest der Familie wartete gespannt. Als er wieder zu uns kam, strahlte er über das ganze Gesicht: „Wir bekommen unsere blonde Hündin.“ „SUPER !!!“ riefen Emi und ich wie aus einem Mund. Dann erzählte uns Papa, dass wir uns am 11. März die blonde Hündin das erste Mal anschauen dürfen. Nun begann eine ganz lange Zeit des Wartens. Aber die Zeit verging schneller, als wir dachten. Endlich war es soweit, der Tag der ersten Begegnung mit unserem Hund war da. Die Züchter, Familie Gepke, wohnen in der Nähe von Guben. Nun hatten wir nur noch eine Autofahrt von knapp zwei Sunden vor uns. Nach der langen, langen Autofahrt endlich angekommen, trauten wir unseren Augen nicht. Sieben kleine, zuckersüße Hundebabys lagen zusammen gekuschelt da.
Wir erkannten sie sofort. Unsere Quina ist blond ihre Geschwister Quaila, Quanja Quenti, Quando, Quasto und Quento sind schwarz-braun. Alle Namen der Hundewelpen fangen mit Q an, weil dies der 17. Wurf bei Familie Gepke und Q der 17. Buchstabe im Alphabet ist. Mama und Papa sind von den Züchtern zum Kaffee eingeladen worden, während Emi und ich mit den kleinen Hunden gekuschelt, geschmust und gelacht haben, weil sie immer wieder umgekippt sind. Emi wusste nicht warum die Welpen immer wieder umkippen und ich erklärte ihr, dass das noch sehr kleine Hunde sind und sie deshalb noch wacklige Beinchen haben. Dann mussten wir wieder fahren. Ich hatte überhaupt keine Lust, mich von den süßen kleinen Hunden zu verabschieden und schon gar nicht von unserem Hund. Das einzig Gute war, dass wir uns gleich einen nächsten Termin ausgemacht haben. Beim nächsten Besuch durften wir eine Kuscheldecke für unsere Hündin mitbringen, damit sie seine Mutter und Geschwister riechen kann und einen vertrauten „Stallgeruch“ hat, wenn wir Quina abholen werden. Das zweite Mal kam meine Tante Beate mit. Wir hatten wieder sehr viel Spaß mit den kleinen Hunden. Außer uns war auch der Besitzer mit dem Vater der Welpen, ein großer sehr hübscher Hovawart namens Carey, zu Besuch. Er wollte sich einmal den Nachwuchs anschauen. Bevor unser Hund kommen konnte, wartete noch viel Arbeit auf uns. Papa und ich bauten in den nächsten Tagen einen Zaun, was gar nicht so leicht war. Papa haute sich zwei Mal mit dem Hammer auf denselben Finger. Das war sehr „witzig“ für mich. Während wir Zaun bauten, fuhren Emi und Mama einige Sachen für den Hund kaufen. Als sie wieder kamen, waren sie voll bepackt mit Hundespielzeug, Leine, Halsband und Hundenäpfen. Ein Napf war für das Essen und einer für das Wasser zum Trinken. Beim Abendbrot besprachen wir, ob wir an alles gedacht haben. Mama meinte wir müssten uns noch eine „Pullerecke“ überlegen, sonst würde unsere Quina überall hin pullern. Endlich war der große Tag da. Wir konnten unsere Quina abholen. Als wir nach der langen Autofahrt ankamen, sind wir erst einmal zu den süßen Hundis gegangen. Da saßen sieben Hundebabys und schauten uns mit erwartungsvollen Blicken an. Bei dem Bild zerlief mir das Herz wie Eis in der Sonne. Wir begrüßten die Welpen, dann die Mutter und schließlich noch Tessa, das ist eine fünf Monate alte Hovawarthündin. Alle kleinen und großen Hunde freuten sich, dass wir wieder da waren. Jetzt schwatzten wir noch etwas mit den Züchtern und gingen dann ins Haus Kaffee trinken. Als Emi und ich fertig waren gingen wir wieder zu den Welpen zum Kuscheln. Aber die kleinen Hunde hatten anscheinend keine Lust dazu, sondern sie wollten eher toben und zwicken. Nach einiger Zeit wurden sie immer stürmischer und toller. Sie fingen an in mein Bein zu beißen und an der Hose zu ziehen. Das wurde so schlimm und tat dann so weh, dass ich anfing zu weinen. Dann schrie Emi: „Soll ich den Papa holen?“ Darauf antwortete ich nur: „ Ja, hole bitte den Papa.“ Gleich darauf stand Papa vor mir und rettete mich. Als ich vor den kleinen und sehr spitzen Zähnen in Sicherheit war, haben Papa, Emi und ich uns mein Bein angeschaut. Schrecklich, einfach schrecklich! Mein ganzes Bein war zerkratzt. „Au!“ meinte Emi. Langsam merkte die Hundemama Oxana, dass wir irgendetwas vor hatten. Oxana wusste aber nicht was. Zum Glück! Die Zeit der Abfahrt rückte immer näher. Schade. Wir stiegen ins Auto und ich durfte auf den Beifahrersitz. An mein Fußende legten wir Quina. Emi fand das überhaupt nicht toll und fing an mit Meckern. Aber ich hatte etwas besseres zu tun, als mich damit zu beschäftigen. Ich musste Quina abhalten, aus dem Autofenster zu schauen, sonst könnte sie vielleicht brechen und das war nicht gerade ein angenehmer Gedanke. Die Fahrt war für mich nicht leicht. Ständig rackerte Quina zu meinen Füßen, wollte aus dem Fenster schauen oder aber zu Papa und mit beim Autofahren helfen. Als wir von der Autobahn fuhren tauschte ich mit Emi die Plätze. Endlich zu Hause angekommen, trugen wir Quina sofort in ihre Pullerecke, gleich neben dem Komposthaufen. Damit wollten wir von vornherein sie daran gewöhnen, dass bei uns nur in diese Ecke gepullert wird. Danach wollte die ganze Familie nur noch in die Federn. Also, das heißt: Emi und ich wollten auf Matratzen, Papa auf dem Sofa und Mama in ihrem Bett schlafen. Emi und ich wollten unbedingt im Wohnzimmer die erste Nacht gemeinsam mit Quina verbringen. Mitten in der Nacht weckte uns Papa, um mit Quina „gassi“ zu gehen. Leider hatte er keinen Erfolg. Emi drehte sich nur auf die andere Seite und schlief gemütlich weiter und ich sagte ganz kurz: „Lass mich in Ruhe!“, drehte mich ebenfalls auf die andere Seite und setzte, wie meine Schwester den Schlaf fort. So musste Papa allein mit Quina pullern gehen. Am nächsten Morgen beim Frühstück beschwerten wir uns bei Papa, warum er uns nicht geweckt hat. Er erzählte, wie wir uns verhalten und was wir geantwortet hatten. Darüber mussten wir alle sehr lachen. Nach dem Frühstück tobten, spielten und schmusten wir wieder mit Quina. Nach dem Mittagessen begann unser Hund alles abzuschnüffeln. Danach spielten wir noch etwas Verstecken. So verging der erste wundervolle Tag mit meinem Hund. Am nächsten Tag kamen Oma und Opa aus Riesa, um unsere kleine Quina zu sehen. Unser Hund spielte die ganze Zeit über den Clown und stellte nur Blödsinn an. Am späten Nachmittag fuhren Oma und Opa wieder nach Hause. Schade, die Zeit verging so schnell. Ostersonntag besuchten wir meine Freundin Julia. Ihre Eltern hatten uns zum Mittagessen eingeladen. Bei Julia wohnen zwei große Hunde namens Ari und Cosi. Wir befürchteten, dass sie sich mit Quina nicht verstehen werden, aber alles war super. Nach einer kurzen Zeit schnappte Quina sogar Ari in die Seite und wurde dafür angebellt. Im Laufe des Nachmittags kamen noch andere Freunde von Julia. Alle, die Quina sahen mussten erst einmal mit ihr schmusen, sie streicheln und jeder fand das kleine Fellknäuel zuckersüß. Am Abend fuhren wir wieder nach Hause und Quina war völlig fertig. Leider gibt es bei einem kleinen Hund auch eine
andere Seite. So fing Quina an mit beißen und zwicken, was zum Teil
richtig weh tut. Meine Beine und Arme sind schon überall mit kleinen
Wunden versehen. Als Emi das sah, rief sie voller Mitleid: „Oh je“.
Eine andere Sache ist, dass Quina überall in den Garten ihr „Geschäft“
macht und ich dieses dann wegräumen muss. Nicht sehr angenehm!
Hoffentlich lernt sie schnell! Am Sonntag gehen wir mit Quina das erste
Mal zur Welpenschule. Ich freue mich schon sehr darauf.
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